Youtube, Twitch, RedditNeue Löschwelle in den sozialen Netzwerken

SAN FRANCISCO. Verschiedene soziale Netzwerke haben am Montag mehrere konservative und rechte Kanäle gelöscht. Die Streaming-Plattform Twitch, die 2014 von Amazon aufgekauft wurde, löschte das Kampagnenkonto von US-Präsident Donald Trump wegen „haßerfüllter Inhalte“, berichtet das Computermagazin Wired. Das Unternehmen habe diesbezüglich Kommentare zitiert, die in zwei kürzlichen Streams abgegeben wurden.

Ein Video stammte von Trumps Kundgebung in Tulsa, Oklahoma, am 19. Juni, wo der Präsident ein Szenario beschrieb, in der „ein sehr harter Hombre in das Fenster einer jungen Frau einbricht, deren Mann verreist ist“. Der andere beanstandete Stream war die Wiederholung einer Rede von Trump aus dem Jahr 2015, in der er in bezug auf mexikanische Einwanderer gesagt hatte: „Sie bringen Drogen mit. Sie bringen Kriminalität mit. Sie sind Vergewaltiger. Und einige nehme ich an, sind gute Menschen.“

„r/GenderCritical“ wegen Haßrede entfernt

Gleichzeitig verschwand auf der Online-Plattform Reddit das Unterforum „r/The_Donald“, auf dem rund 800.000 Trump-Anhänger ihre Gedanken austauschten. Auch das Forum „r/GenderCritical“, das vielleicht größte Forum im Internet für genderkritische Ansichten und Diskussionen, wurde wegen „Haßrede“ entfernt. Reddit habe zudem 2.000 weitere Unterforen gelöscht, von denen die meisten jedoch inaktiv gewesen seien.

Auch auf Youtube sind mehrere bekannte Kanäle nicht mehr aufzufinden. So löschte die Google-Tochter unter anderem den rechtslibertären Blogger und Autor Stefan Molyneux. „14 Jahre meines Lebens, tausende Videos, Millionen an Kommentaren, hunderte Millionen Aufrufe und nahezu eine Million Abonnenten sind einfach zerstört worden“, bedauerte Molyneux. „Die Anschuldigungen sind die üblichen: Daß ich Gewalt, Haß und so weiter propagiere. Was natürlich nicht stimmt.“ Der 53jährige warnte: „Die Bücherverbrennung ist im vollen Gange.“

Youtube löscht mehrere rechte Kanäle

Youtube löschte zudem den Kanal des rechten Magazins American Renaissance, der rund 135.000 Abonnenten hatte. „Wer hätte in der Zeit des Eisernen Vorhangs vermutet, daß sich die Amerikaner 30 Jahre später gegenseitig einen Maulkorb anlegen würden“, kommentierte dessen Chef Jared Taylor. „Sollte man nicht versuchen, mit denjenigen zu diskutieren, mit denen man nicht einverstanden ist, anstatt sie zum Schweigen zu bringen?“ Es gebe „keine gnadenlosere Art und Weise“ zuzugeben, daß man das Argument verloren hat, „als seinen Gegner zu knebeln“.

American Renaissance vertritt eigenen Angaben zufolge einen „Rassenrealismus“ („race realism“), der ein „wichtiger Aspekt der individuellen und der Gruppenidentität“ sei. „Für alle anderen Gruppen ist es selbstverständlich, daß sie das Recht haben, sich in ihrem eigenen Interesse zu äußern“, heißt es auf ihrer Website. Nur Weiße hätten diese Überzeugung verloren.

Der Podcast „NPI/RADIX“ von Richard Spencer ist ebenfalls nicht mehr auf Youtube zu finden. Spencer gilt als zentrale Figur der Alt-Right-Bewegung. „Dies scheint Teil einer systematischen, koordinierten Anstrengung zu sein“, sagte der 42jährige auf Twitter. Auch der Kanal des ehemaligen Ku-Klux-Klan-Amführers David Duke ist gelöscht.

Die Google-Tochter verweist auf die Richtlinien

Youtube verwies auf seine Richtlinien. „Wir haben strenge Richtlinien, die Haßreden auf YouTube verbieten und beenden jeden Kanal, der wiederholt gegen diese Richtlinien verstößt“, begründete ein Sprecher die Vorgänge. „Nachdem wir unsere Richtlinien aktualisiert hatten, um besser auf rassistische Inhalte eingehen zu können, sahen wir einen fünffachen Anstieg bei der Entfernung von Videos und haben über 25.000 Kanäle wegen Verstoßes gegen unsere Richtlinien für Haßreden eingestellt.“

Zuletzt war der Druck von Unternehmen auf die sozialen Medien gestiegen, vermehrt gegen vermeintlich rassistische und haßerfüllte Inhalte vorzugehen. Bedeutende Werbetreibende hatten sich kürzlich unter dem Hashtag „StopHateForProfit“ zusammengeschlossen und erklärt, im Juli kein Geld mehr für Facebook-Werbung auszugeben. Damit soll das Unternehmen unter Druck gesetzt werden, „mehr zu tun, um die Verbreitung von Haßreden und Fehlinformationen zu stoppen“, wie es in einem Aufruf heißt. Unter den über 160 beteiligten Firmen befinden sich unter anderem Adidas, Coca-Cola, Honda, Mozilla und Reebok. Innitiert hatte die Kampagne die NGO „Anti-Defamation League“. (ha)