Stillgelegtes Wirtschaftsleben wegen CoronakriseÖkonomen und Politiker verlangen möglichst kurzen „Shutdown“

DÜSSELDORF. Der Wirtschaftswissenschaftler Jens Südekum hat ein möglichst schnelles Ende der Stillegung des Wirtschaftslebens, des sogenannten Shutdown wegen der Coronapandemie gefordert. „Je länger Firmen raus sind, desto schwieriger wird es für sie, wieder zurückzukommen in den Markt. Deshalb muß aus wirtschaftspolitischer Sicht die wichtigste Frage sein: Wie kann der Shutdown vernünftigerweise so kurz wie möglich gestaltet werden?“, sagte er dem Spiegel.

Vor der Aufhebung der aktuellen Beschränkungen müßten Ökonomen, Mediziner und Epidemologen kooperieren. Klar sei jedoch, der strikte „Shutdown“ könne höchstens bis Anfang Mai dauern. „Das Ziel muß sein, die Verbreitung des Virus in dieser Zeit zu stoppen und die Zahl der Neuinfektionen drastisch zu senken.“ Zeitgleich müsse die Infrastruktur geschaffen werden, um einen erneuten starken Anstieg der Infektionen zu verhindern. Außerdem könne die konsequente Isolierung und die Kontrolle von Infizierten dazu beitragen.

Auch wenn das Wirtschaftsleben wieder hochgefahren würde, blieben öffentliche Großveranstaltungen, die ökonomisch nicht wichtig seien, noch „sehr lange vom Staat untersagt“, zeigte sich der Professor für Internationale Volkswirtschafstlehre überzeugt. Im Gegensatz dazu sei die Schließung von Schulen und Kitas für die Wirtschaft mit hohen Kosten verbunden.

Ifo-Institut rechnet mit 1,8 Millionen Arbeitslosen 

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag und Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Carsten Linnemann (CDU), plädierte für ein Ende des Shutdowns bis spätestens Ostern. Gegenüber der Bild-Zeitung verdeutlichte er, der Schaden für die gesamte Volkswirtschaft und den Staat werde „nachhaltig und über Jahrzehnte nicht kompensierbar sein, wenn wir nicht spätestens nach Ostern die Wirtschaft wieder schrittweise hochfahren“.

Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel sprach sich für ein absehbares Ende der wirtschaftlichen Einschränkungen aus. Es könne nicht sein, das Land „für drei Jahre in dem jetzigen Zustand verharren“ zu lassen. Es müsse ein Konzept her, das dazu führe, nach den nächsten vier Wochen wieder das Wirtschaftsleben hochzufahren, betonte er gegenüber dem Nachrichtenportal Epoch Times.

Nach Schätzungen des ifo-Instituts werde die Coronakrise 1,8 Millionen Arbeitsplätze vernichten, berichtete die Bild-Zeitung. Der Präsident des Mittelstandsverbundes, Eckhard Schwarzer, sagte dem Blatt: „Viele Mittelständler sind jetzt schon in akuter Finanznot. Die halten nicht mehr lange durch, und wir reden da über Tage, nicht über Wochen.“ Bis die angekündigten Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung ausgezahlt seien, könne es für viele Unternehmen schon zu spät sein. (ag)